Eröffnung der neuen Räumlichkeiten des SIPP

Zur Eröffnung des Institutes am 26. Januar 2007 organisierte Frau Dipl.-Psych. Eva Theobald unter Mithilfe von Herrn Dipl.-Psych. Dietmar Seel  die Installation "liegensitzengehen" der  Künstlerinnen Claudia Brieske und Katja Romeyke.

Anlaß für die Arbeit der Künstlerinnen und der Koordinatoren war der 150. Geburtstag von Sigmund Freud im Mai 2006.

Wenn man den Namen Sigmund Freud oder den begriff Psychoanalyse hört, denkt man oft an die Patientencouch. Das Interesse an dieser spezifischen Anordnung hat uns bewogen an den Freud-Geburtstag in einer eigenen Weise zu erinnern, indem wir das psychoanalytische Couch-Setting, in das Zentrum einer künstlerischen Betrachtung stellen. "Liegensitzengehen" ist eine Metapher, die den Raum beschreibt, in dem sich Bewußtes und Unbewußtes in verdichteter Form begegnen; Analysand und Analytiker gemeinsam die unbewußten Konflikte inszenieren und bearbeiten.

Liegen soll dem Patienten die Möglichkeit geben, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen - frei zu assoziieren - und ist somit Teil der psychoanalytischen Methode als Zugang zu den unbewußten Konflikten.

Liegen schafft eine andere Wahrnehmung des Raumes, des eigenen Körpers, der Beziehung zum Anderen. Die Stimmen, die Sprache, das Sprechen, Geräusche - das Hören geraten ins Zentrum.

Sitzen deutet auf die besondere räumliche Ordnung: Analytiker sitzt hinter der Couch, es gibt einen Blickkontakt bei der Begrüßung, beide blicken auf die Bilder, die das Unbewußte entstehen läßt.

Erst beim Verabschieden begegenen sich die Blicke wieder. Abschied und Wiederbegegnung sind sich ständig wiederholende Elemente des analytischen Prozesses. Am Ende steht der Abschied aus der analytischen Beziehung, nicht aber das Ende der Betrachtung des eigenen Unbewußten.

Die Installation wurde im K4-Forum im Haus der Stadtgalerie gezeigt. Gefördert wurde das Projekt durch das Saarländische Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie e.V. (DPG), durch die Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), durch das Saarländische Kulturministerium und durch Saar Toto. Darstellerin ist Kathrin Aebischer.

Das K4-Forum am St. Johanner Markt gleicht einer Vitrine. In diesem "Vitrinenkörper" sind mittels Videoprojektionen psychoanalytische Settings inszeniert und auf ihre Basiselemente reduziert.

Besonderes Augenmerk legen die Künstlerinnen auf Geste, Mimik und Körperhaltung. Der "Vitrinenraum" ist größtenteils verdeckt. Geöffnete Intimität wird durch ein Fenster sichtbar. Dem Betrachter bleibt gleichwohl der Zutritt in die Situation verwehrt. Im Frontbereich wird eine Projektion auf einem Glasobjekt sichtbar, welche einer Lupe gleich, ausschließlich Details offenbahrt: Ausschnitte als Synonym für Bilder aus Traum und Wirklichkeit, als Transportmittel der Kommunikationssituation im Raum, bzw. im Inneren der Akteure. Das eigentliche, körperlich voneinander abgewandte Gegenüber von Patient(in) und Analytiker(in) wird im hinteren Raum als Projektionen nebeneinander wahrnehmbar.