Psychoanalytiker stellen Filme vor

Seit April 2005 richtet das Filmhaus Saarbrücken in Verbindung mit dem SIPP und dem Landesverband Saar der DGPT eine neue Reihe von Filmvorstellungen aus.

Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDas Landesinstitut für Pädagogik und Medien hat die Veranstaltungsreihe in ihr Fortbildungsprogramm Herbst 2005/Sommer 2006 aufgenommen und wird sie zertifizieren.

Ansprechpartnerin "Psychoanalytiker stellen Filme vor"

Christine Pop, Dipl.-Psych.
  • Poststrasse 19
    66482 Zweibrücken

"Kreuzweg" von Dietrich Brüggemann

Mittwoch, 28. Februar 2018, 20:00 Uhr

Filmhaus Saarbrücken

Die 14-jährige Maria wächst in einem streng religiösen Elternhaus auf. Im Zuge der Vorbereitung auf ihre Firmung, die den Übertritt ins Erwachsenenleben markiert, gerät sie in eine Adoleszenzkrise. Zerrieben zwischen den andrängenden Forderungen ihrer erwachenden jugendlichen Sexualität und mütterlichen wie religiösen Verboten, sieht sie keinen anderen Ausweg ihre massiven Schuldgefühle zu dämpfen, als sich Gott ergeben zu Tode zu hungern. Sie erkrankt an einer Magersucht, an der sie schließlich stirbt. Der 2014 gedrehte Film „Kreuzweg“ der Geschwister Brüggemann, der den Silbernen Bären für das Drehbuch erhielt, zeigt eindrücklich, welch drastischen Verlauf mit der Adoleszenz einhergehende Entwicklungskonflikte vor dem Hintergrund einer scheiternden Loslösung aus der Mutter-Tochter-Beziehung nehmen können. Die Einbettung der Symptomatik in eine Gemeinde fundamentalistischer Katholiken dient dabei als Folie, auf der sich die unbewusste intrapsychische Dynamik der Vierzehnjährigen zwischen schuldhaft erlebten Sehnsüchten und deren asketischer Abwehr entfaltet.

Der formal streng ausgeführte Film zeichnet in vierzehn Kapiteln, die dem Leidensweg Jesu zugeordnet sind, Marias unaufhaltsam scheinenden Weg in den Tod nach. Die Handlung wird maßgeblich von den herausragenden schauspielerischen Leistungen der beiden Protagonistinnen Lea van Acken und Franziska Weisz getragen, die sowohl die Not der Tochter als auch der Mutter spürbar werden lassen.

Im Anschluss an den Film werden Dr. Katja Kruse und Andrea Maas-Tannchen in einer kurzen Interpretation auf die dargestellte Entwicklungspathologie eingehen. Danach besteht die Möglichkeit zur Diskussion und Beantwortung von Fragen zur Genese und Behandlung adoleszenter Krisen, insbesondere von Essstörungen.

 Informationen zum Film auf der Website des Filmhaus

Buchveröffentlichung psychoanalytischer Filminterpretationen

Filmräume - Leinwandträume
Psychoanalytische Filminterpretationen

Herausgegeben von Alf Gerlach und Christine Pop

Eine reiche Auswahl an cineastischen Höhepunkten - neu gesehen!

Die ersten »laufenden Bilder« der Brüder Lumière, damals noch Stummfilme, entstanden etwa zur selben Zeit wie Freuds Studien über die Hysterie. Seit dieser Zeit haben sowohl die Psychoanalyse als auch der Film unser Bild von uns selbst verändert. Sicher ist es die Nähe der Bildsprache des Films zum Unbewussten, die zum großen Erfolg des Mediums beigetragen hat.

Die vorliegende Auswahl an Filmbesprechungen vermittelt einen Eindruck von den vielfältigen Perspektiven, unter denen Psychoanalytiker filmisches Geschehen wahrnehmen und verstehen. Damit geben sie diesen Filmen eine Tiefenstruktur, die insbesondere die psychische Wirkung des Filmgeschehens auf den Zuschauer erschließt, und eröffnen einem breiten Publikum neue Sichtweisen auf Filme wie Sieben, Matrix,Gegen die Wand oder Up in the Air.

Mit Beiträgen von Claudia Bunk, Ute Fissabre, Alf Gerlach, Lisa Güllich, Isabelle Huppert, Ludwig Janus, Petra Klein, Rainer Krause, Katja Kruse, Günther Lehnert, Ulrich Moldenhauer, Christine Pop, Hanni Scheid-Gerlach, Dietmar Seel, Albrecht Stuby und Kizil Tekdemir.

Alf Gerlach, PD Dr., arbeitet als niedergelassener Psychoanalytiker in Saarbrücken. Er ist Vorsitzender des Saarländischen Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie und Privatdozent im Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Ethnopsychoanalyse und Psychoanalyse in China. 

Christine Pop, Dipl.-Psych., arbeitet in Zweibrücken als Psychologische Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin in eigener Praxis. Sie ist Mitglied des Saarländischen Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie und Leiterin des Filmprojekts "Psychoanalytiker stellen Filme vor".

Buchreihe: Imago
213 Seiten, Broschiert, Format: 148 x 210 mm

Verlag: Psychosozial-Verlag
Erschienen im September 2012 
ISBN-13: 9783837922066, Bestell-Nr.: 2206

"Filmräume - Leinwandträume: Psychoanalytische Filminterpretationen" auf der Website des Psychosozial-Verlags

 Inhaltsverzeichnis, Vorwort und Leseprobe als PDF-Datei

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Rezension von Peter Scheinpflug erschienen in: Freiburger literaturpsychologische Gespräche. Jahrbuch für Literatur und Psychoanalyse, Bd. 33, Rahmenthema: »Film und Filmtheorie«, hg. von Astrid Lange- Kirchheim und Joachim Pfeiffer, Würzburg: Königshausen & Neumann 2014, S. 304-307.